Ende September 2020 veröffentlichte die Open Group ein neues Werk: „Open Agile Architecture – A Standard of The Open Group". Der Standard verspricht Unternehmensarchitekten endlich Werkzeuge an die Hand zu geben, die die Kluft zwischen den Anforderungen einer digitalen, zugleich agilen Umwelt und der traditionellen Architekturentwicklung – wie z. B. im TOGAF ADM – zu überwinden helfen. Nach erster Durchsicht komme ich zu dem Schluss: Es ist in Teilen gelungen.

Zielsetzung der O-AA

Die Open Agile Architecture (O-AA) verfolgt das Ziel, sowohl die digitale Transformation als auch die agile Transformation aus Architektursicht zu beschreiben. Es sind nach Auffassung der Open Group zwei Seiten einer Medaille, die einander bedingen. Die O-AA ist in zwei Teile gegliedert: zum einen der O-AA-Kern mit den wesentlichen Kernkonzepten, zum anderen die Beschreibung der sog. Building Blocks als Verfeinerung des ersten Teils.

Grundkonzepte der O-AA

Die O-AA beschreibt das Unternehmen als Ganzes. Das ist anders als in TOGAF, wo nicht beschrieben wird, wie die Geschäftsarchitektur zu strukturieren ist. Die O-AA versucht hier einen neuen Weg, indem sie das Produkt mit Product-Owner und Product Manager sowie den Service in den Vordergrund stellt. Dies zeigt sich in der Aufteilung „What the enterprise is?" und „What the enterprise does?".

Die Architekturentwicklung wird nicht als durchgängiger Top-Down-Prozess beschrieben, sondern als Intentional Architecture. Dabei wird auf ausgeprägtes Big Up Front Design (BUFD) verzichtet. Dennoch wird die Notwendigkeit von Leitplanken auf Ebene „Enterprise" gesehen. Das Konzept des Domain Driven Designs schließt daran an und bildet mit dem Konzept bounded context die Möglichkeit, die Architektur von IT-Anwendungen (oft Microservices) zu beschreiben.

Der O-AA-Ansatz löst damit die Trennung zwischen Enterprise- und Solution-Architecture auf.

Fazit

Die O-AA erfüllt nach meiner Einschätzung den Zweck, verschiedene Praktiken im Kontext der agilen Transformation und digitalen Transformation in einen Architekturrahmen zu heben. Hier liegt der wesentliche Mehrwert des Standards. Daneben steht die heilende Darstellung der intentionalen Architekturentwicklung.

Somit ist O-AA ein Hilfsmittel in der Diskussion in Unternehmensorganisationen, wenn die agile und digitale Transformation ansteht. Es ist aber keine Blaupause und ersetzt aus meiner Sicht nicht TOGAF. Aber es bringt Frameworks wie TOGAF und SAFe zusammen. Mehr als ein Kessel Buntes!

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